Hilfsfonds "Sarajevo Love"

Spenderinnen und Spender gesucht!
Am Jahresende erhalten alle Unterstützer eine Spendenbescheinigung.
An die Spenderinnen und Spender
unseres Hilfsfonds "Sarajevo Love"
2013
von Ludo Hupperts

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!

Ist auf dem Balkan noch immer Hilfe nötig? .....

Zu Recht eine Frage – so viele Jahre nach Kriegsende. Die internationale Gemeinschaft wie NATO, UNO, EU und hunderte von humanitären Hilfsorganisationen haben während vieler Jahre mit zehntausenden Menschen gearbeitet, um die Gesellschaft wieder auf zu bauen. Große Summen Geld sind verwendet worden, um diesen Wiederaufbau zu realisieren. Aber trotzdem mangelt es noch an vielem, an zu vielem. 
Nur drei Beispiele von Hunderten: Wie kann es sein, dass noch heute in Sarajevo eine Witwe mit zwei Kindern monatlich nur 20,- € Rente bekommt? Das sind 0,67 € pro Tag für drei Personen. Wie kann es sein, dass eine gelähmte und inkontinente Frau, die durch unsere Hilfe einen Rollstuhl bekommen hat, auch jetzt noch von uns mit Windeln versorgt werden muss? Wie kann es sein, dass eine sechzigjährige Frau komplett erblinden musste, weil sie keine 450,- € hatte, um die Operation zu bezahlen?

Meine Antwort auf diese Fragen halte ich kurz. 
Die internationale Gemeinschaft tat und tut noch immer viel für den Wiederaufbau. Aber die Anstrengungen richten sich zu sehr auf das Makro-Niveau und zu wenig für die 'Hilfe für das Individuum'. Die Hilfe geht nicht zielstrebig an 'den traumatisierten Menschen in der Kriegsmaschine', wie meine Frau und ich es nennen. Oder anders gesagt: Es trifft immer noch die Schwächsten der Gesellschaft. Auf die Frage: 'Ist Hilfe noch immer notwendig?' muss ich leider antworten mit einem vollen 'Ja'. Auch Ihre Hilfe!

Hilfsaktionen

Seit 1995 helfen meine Frau Jeanine und ich Menschen auf dem Balkan. Auch heute, viele Jahre nach Kriegsende, wird diese Hilfe noch gebraucht. Natürlich hat sich in Bosnien und Kosovo vieles zum Guten geändert. Aber wie ich schon vorher sagte: 'Die Hilfe kommt nicht immer bei den Menschen an, die sie am meisten bräuchten.' Als ich in Sarajevo und Prishtina war, war ich in der Lage, auf direkte Weise zu helfen. Ich kaufte Lebensmittel und Medikamente für die Menschen und brachte sie zu ihnen. Aber wie macht man das, wenn man nicht mehr im Lande ist? Es war klar, dass wir für jede Art der Hilfe Finanzmittel benötigten würden. Dies stellte uns vor praktische Probleme: Woher bekommen wir das notwendige Geld? Wer soll Hilfe bekommen und wie gelangt das Geld sicher an die Menschen in Not? Auf diese Fragen brauchten wir eine Antwort, bevor wir mit unseren Aktionen beginnen wollten. Wir haben uns für die folgende Kriterien entschieden:
- Jeder Euro, den wir erhalten, soll an Ort und Stelle auch direkt ankommen. 
- Projekte starten wir nicht. Das Wort 'Projekt' weckt die Idee, dass wir etwas Großes entwickeln wollen, an dem auch andere mitwirken und wodurch 'Projektkosten' entstehen.
- Wir wollen keine 'registrierte' Organisation sein wie eine NGO. Auch das wird schnell verknüpft mit dem Stichwort 'Verwaltungskosten'. 
- Wenn Verwaltungskosten entstehen (z. B. Reisekosten, Telefongebühren,  Bankgebühren), zahlen wir sie selber.
- Es gibt keinen 'Fonds'. Wenn eine gewisse Summe Geld vorhanden ist, geht sie so schnell wie möglich zu den Menschen in Not.
- Grundsätzlich geben wir kein Bargeld. Wir kaufen vor Ort, was Menschen in Not brauchen. Für Dienste, wie zum Beispiel einen Arztbesuch, zahlen wir die Rechnung.
- Andere Hilfe ist orientiert daran, dass Menschen in ihrem eigenen Land eine eigene Zukunft aufbauen können: in Bosnien und in Kosovo.

Dadurch bekamen die Hilfsaktionen in Bosnien einen anderen Charakter als diejenigen in Kosovo. Weil wir in Sarajevo jemand kennen, der auf die Menschen zugeht, können wir bis heute schnelle Hilfe geben. Muamera, unsere langjährige Kontaktperson in Sarajevo, beurteilt, wer was braucht. Sie verwendet das Geld, das wir schicken, um das Notwendigste zu kaufen.
 
Diese Hilfeleistung funktioniert nicht in Kosovo, weil wir niemand vor Ort haben, der für uns handeln kann. Hier bieten wir dann auch kaum 'Nothilfe', sondern Hilfe, die zu unserem letzten Kriterium passt: 'Menschen helfen, um in ihrem Land eine eigene Zukunft auf zu bauen'. 
Ein Beispiel: wir haben das Studium für zwei Schwestern, die noch zwei Jahre studieren mussten, an der Universität in Prishtina bezahlt, weil ihre die Eltern die Kosten nicht tragen konnten. Der Gesamtbetrag: 700 €. Beide haben zu Ende studiert, haben eine Stelle, sind verheiratet und wohnen in Kosovo.

Aber wir hatten noch keine Antwort auf die Fragen: 'Wie gelangt wir das Geld sicher dorthin?' und 'Wer bekommt Hilfe?' 
In Sarajevo war Muamera bereit (siehe unter Geschichte), die Leute weiter zu besuchen, die wir schon seit Monaten unterstützten, während ich vor Ort war. Wir könnten ihr Geld schicken. Ich bin nach Sarajevo gereist, habe für Muamera ein Bankkonto eröffnet und zusammen haben wir die Leute ausgesucht, die wir weiter unterstützen wollten. Während meines drei monatigen Aufenthaltes mit meiner Frau in Prishtina haben wir die Leute ausgesucht, die wir nach unserer Abreise weiter unterstützen wollten. Wir haben hier keine Kontaktperson, die diese Leute besucht. Deshalb reisen wir regelmäßig nach Prishtina, um vor Ort Geld und Hilfe direkt zu geben.

Bleibt nur noch eine Frage zu beantworten: 'Woher bekommen wir genügend Geld?' 
Meine Frau und ich haben in der Zeit von 1995 bis heute im Jahr 2012 unterschiedlichste Aktionen durchgeführt, um Geld zusammen zu bringen. 
Beispiele sind: Bücher schreiben, deren Erlös an die Menschen in Not geht (siehe unter Bücher); auf Flohmärkten verkaufen; Bilder, die meine Frau gemalt hat, verkaufen; Englisch-Unterricht geben; Nikolaus spielen an Schulen für ein kleines Entgelt; den Jakobsweg laufen und uns sponsern lassen; predigen in Kirchen und den Erlös der Kollekte behalten dürfen. 
Aber wir haben auch Verwandte, Freunde und Bekannte, die uns unterstützen. Einerseits durch eigene Aktionen, anderseits durch Gaben. Bis Juni 2012 sind 83.400 € zusammen gebracht und verwendet worden. Aber weil noch immer Hilfe gebraucht wird, machen wir weiter. Hoffentlich auch Ihre Hilfe. 

Sarajevo

Seit 1995 helfen meine Frau und ich Menschen in Sarajevo, aber auch anderswo in Bosnien, z.B. Flüchtlinge aus Srebrenica. Anhand einiger Fotos wollen wir Ihnen eine (sehr gedrängte) Übersicht geben von der Geschichte von Sarajevo während des Krieges und von was wir bis heute mit dem Geld gemacht haben. Diese Fotos zeigen ein Paar Menschen von Hunderten, denen wir geholfen haben. Manchen helfen wir schon viele Jahre. Andere haben inzwischen die Möglichkeit gefunden, selbst ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern. Sie bekommen von uns keine Hilfe mehr. Aber wir haben noch immer eine Warteliste. Sie wird leider immer länger. Die Beispiele zeigen auch, dass wir Menschen helfen, die es am dringendsten brauchen; ungeachtet ihres ethnischen oder religiösen Hintergrundes - also Serben, Kroaten, Moslems, Zigeuner und sonstige ethnische Gruppierungen.   

von Ludo Hupperts     http://www.sarajevo-love.blogspot.de/  

Hier der neue Spendenbrief/ 
-quittung 2013 als PDF zum Herunterladen.
Hier der neue Spendenbrief/ 
-quittung 2011 als PDF zum Herunterladen.

Ganz herzlichen Dank für Eure / Ihre Spenden im vergangenen Jahr.
Wir konnten wieder mehr als 4.000 € nach Sarajevo überweisen 
und haben seit dem Beginn unserer Spendensammlung 1999 fast 60.000 € zusammengelegt. 

An die Spenderinnen und Spender 
unseres Hilfsfonds "Sarajevo Love"
2010

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!

Im Mai letzten Jahres (2010) hatten wir in Münster Besuch aus Sarajevo und Barcelona.
Unsere Hilfeverteilerin vor Ort, Frau Muamera Selimovic und unsere Hilfemanager Ludo und Jeanine Hupperts aus Barcelona hatten sich bei uns informiert und bedankt für unsere regelmäßige Unterstützung. Im Jahr 2010  haben wir über 4.000,- € und seit dem Beginn unserer Hilfe im Jahr  1999 über 55.000,- € gesammelt. Die Not vor Ort ist immer noch groß. Muamera hat uns über Ludo vier Fotos gemailt, die wir jetzt auf unserer Homepage www.jugendreferat-muenster.de unter der Rubrik „Hilfsfonds Sarajevo Love“ veröffentlichen werden.
Die Bilder zeigen die Menschen, die Muamera mit unserer Hilfe unterstützt, in den bescheidenen Verhältnissen ihres zu Hause.
Wer sich noch an die Bilder eines Malers aus Sarajevo erinnert, die Muamera beim  Spendertreffen in der Epiphaniaskirche zum Verkauf dabei hatte, dem/der sei vermeldet: der Maler malt weiter. Ludo verkauft für 50,- € pro Bild in Barcelona. Wenn jemand  Interesse hat, weitere Bilder zu erwerben, möge er/sie sich bitte bei uns melden. Von Muamera, Jeanine und Ludo sollen wir Euch/ Sie alle herzlich grüßen.
Ludo wird demnächst seinen Blog im Internet aktualisieren. Wir geben hier noch einmal die Adresse an, falls jemand reinschauen möchte:

www.sarajevo-love.blogspot.com

Wir wünschen ein glückliches neues Jahr, natürlich Gesundheit 
und grüßen sehr herzlich
Christoph Schmidt-Ehmcke, Andreas Czarske, Thomas Nufer und Dieter Schönfelder
 

An die Spenderinnen und Spender unseres Hilfsfonds "Sarajevo Love"

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde!

Vielen herzlichen Dank für all Ihre / Eure Bereitschaft im letzten Jahr (2009), den Menschen in Sarajevo, der Stadt und den Menschen, die wir so lieb gewonnen haben, lebensnotwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Wieder ist es uns gelungen, unbürokratisch, schnell und dauerhaft Menschen in Notlagen Hoffnung zu bringen. Dankbar sind wir Muamera, unserer Freundin in Sarajevo (von Beruf Psychologin), die mit unseren Spendengeldern ganz konkret Menschen in existenziellen Lebenslagen hilft. Sie erhält unsere Spendengelder über unseren Koordinator und Initiator der Sarajevo-Hilfe, Ludo Hupperts, zusammen mit seiner Frau Jeanine. Beide wohnen seit einigen Jahren in Spanien. Ludo hat uns zu  Weihnachten einen ausführlichen Brief über die Lage in Sarajevo geschrieben, den wir in Auszügen hier veröffentlichen: 

„Wie sieht es aus in Bosnien? Die Krise hat auch da ihre negative Spuren hinterlassen: sehr hohe Arbeitslosigkeit, kaum ein soziales Netzwerk. Weil so wie so Geld knapp (geworden) ist, wird natürlich gespart im sozialen Bereich. Menschen kriegen gar keine oder sehr kleine Rente. Die meiste Hilfefälle sind Familien, die ohne extra Hilfe nicht auskommen können. Das wenige Geld, das die Leute haben, reicht oft nicht aus, um sich gut zu ernähren; bleibt also nichts übrig für andere Sachen wie Kleidung, Schuhe, Strom, Heizung (Holz). Übrigens ist es in die Republik Srpska (Serbische Republik) schlimmer als in die Federation (Kroatische und Moslemische Teil). Muamera hilft übrigens alle ethnische Gruppen.
 
 

Zwei konkrete Beispiele:  In die Stadt Pale (Srpska) wohnt eine junge Serbische Familie mit 5 Kindern (zwischen 2 und 10 Jahren). Mann und Frau haben keine Arbeit und kein Einkommen. Das wenige Geld, das der Vater verdienen kann, ist etwas zu tun für andere. Muamera gab das Beispiel Holz schleppen, Auto putzen, helfen auf dem Acker. Sie unterstützt diese Familie von 7 Leute mit Kleidung, Schuhe, Essen und Holz zum heizen und natürlich sucht sie was für den Vater zu tun, damit er jedenfalls selbst was verdient. Sie sagte mir, dass ohne ihre Hilfe diese Leute nicht leben könnten. 
 
 

Direkt außerhalb von Sarajevo wohnt die Familie Kovacs; Vater (50), Mutter und Tochter (20). Diese drei haben kein Einkommen und wohnen seit dem Ende des Krieges in Bosnien in ein Aufenthaltslager für Flüchtlinge (alle drei in einem Zimmer, das sie selbst heizen müssen); also schon 15 Jahre. Sie hatten und haben noch ein eigenes Haus, aber das ist so schlimm zerstört, dass sie da nicht zurückgehen können. Und ihm fehlt das Geld zum Reparieren. Der Vater malt Bilder und versucht die zu verkaufen. Damit macht er im Sommer, als die Touristen da sind, ein wenig Geld. Muamera unterstützt auch diese Familie mit all das, was dringend nötig ist. Sie haben noch eine Tochter, die seit 3 Jahre verheiratet ist und in Bihac wohnt (Nord West Bosnien). Diese 3 Jahre haben die Eltern ihre verheiratete Tochter nicht mehr gesehen, weil es kein Geld gibt, die Bus zu bezahlen. Muamera versucht auch hier zu helfen, damit die Eltern mit Weihnachten ihre Tochter mal treffen können.
 
 
 

Als wir hierüber sprachen sagte Muamera, dass sie viele Familien kennt, die gerne in ihrem eigenen Haus zurückgehen möchten, könnten sie es nur reparieren und hätten sie Geld, die Materialen zu bezahlen. So kam ich auf die Idee, mal nach zu schauen, ob ich nicht in der Lage bin mit ein paar Freunde (und etwas Geld natürlich) nach Sarajevo zu reisen und vor Ort an zu packen; die Materialen uns zu besorgen und mit zu helfen. Vielleicht ein prima Idee für das neue Jahr. Übrigens haben Jeanine und ich vor, im neuen Jahr wieder nach Sarajevo zu reisen und uns am Ort wieder selbst zu informieren und darüber eine ausführliche Reportage zu machen. Das Jahr 2010 wäre dafür sehr geeignet, weil es dann 15 Jahre nach dem Krieg ist und ich schon 15 Jahre Hilfe leiste und Sarajevo Love dann auch 10 Jahre existiert und 50.000 Euros geschickt hat.“


 
 
 

Soweit Ludo Hupperts. Wir haben seinen Sprachstil bewusst so belassen. Er ist Holländer und schreibt doch wirklich klasse. 
In der Tat: die Zahl 50.000,- Euro stimmt. 
Im Dezember haben wir es mit unserem Hilfsfonds Sarajevo Love geschafft, dieses phantastische Zwischenergebnis zu erzielen.

Wir wünschen Ihnen / Euch ein glückliches neues Jahr, natürlich Gesundheit und grüssen Sie / Euch sehr herzlich

Christoph Schmidt-Ehmcke, Andreas Czarske, Thomas Nufer  und Dieter Schönfelder


4 Fotos:  Personen aus Sarajevo, die unser Hilfsfonds unterstützt

Weiter Infos : 
http://www.sarajevo-love.blogspot.com/
http://www.echo-muenster.de/node/31290 

Ansprechpartner: 
Andreas Czarske 0251/ 51028-53
Dieter Schönfelder 0251/ 51028-54 
Christoph Schmidt-Ehmcke  0251/ 51028-51

Bankverbindung: KD-Bank, Dortmund - BLZ 350 601 90 
Konto Nr. 20 13 450 024 
Kontoinhaber: 
Jugendreferat des Ev. Kirchenkreises Münster 
An der Apostelkirche 1/3         48143 Münster

Sarajevo Love

Man kann Sarajevo lieben und man kann in Sarajevo lieben. Sarajevo, Stadt der olympischen Winterspiele 1984, im bosnisch-serbischen Krieg 1992/93 eingeschlossen und schwer zerstört, und die Liebe: 1996 fliegt eine Gruppe des Ev. Jugendpfarramts  des Kirchenkreises Münster auf Einladung der bosnischen Regierung nach Sarajevo, um im dortigen Nationaltheater ein Musiktheater über den gerade überstandenen Bürgerkrieg zu zeigen – „Sarajevo love“. Wie passt das Alles zusammen?

Am Anfang dieser Geschichte standen ein Wunsch der Stadt Münster und ein Foto im Time-Magazin. Münster bereitete sich auf das 350jährige Jubiläum des Westfälischen Friedens vor. Unter den vielen Veranstaltungen sollte auch eine für Jugendliche sein, die die Ursachen des 30jährigen Krieges und dem unwahrscheinlichen Frieden in Münster auch für junge Leute verständlich machte. Die komplizierte Geschichte eines Religionskrieges war zu erzählen. Könnt ihr das, wurde das Jugendpfarramt gefragt. 
Eines Tages kam der Theatermacher Thomas Nufer in die Projektgruppe mit einem Foto der amerikanischen „Time“ von einer Brücke in Sarajevo im Bürgerkrieg: Bosko und Admira liegen dort, umschlungen, erschossen. Admira, eine Muslimin, war während der Belagerung Sarajevos bei ihrem serbischen Freund Bosko geblieben. Sie stemmten sich mit ihrer Liebe gegen die wahnsinnigen ethnischen Säuberer, die Sarajevo „muslimfrei“ schießen wollten. Sie verstanden nicht, dass eine Stadt, in deren Zentrum eine katholische Kathedrale, eine Moschee und eine Synagoge eng beieinander stehen, nun plötzlich nur noch serbisch sein sollte, und die Nachbarn von gegenüber Feinde geworden waren, weil sie einer anderen Religion angehörten. Schließlich wurde ihnen der Beschuss und die Menschenjagd der Belagerer in den Bergen so gefährlich und unerträglich, dass sie die Stadt ihrer Liebe verlassen mussten. Sie bekamen die Erlaubnis der Serben, erreichten die Brücke, als Bosko von Schüssen getroffen wurde, dann auch Admira, die mit letzter Kraft zu ihm kroch und mit ihm starb.

Thomas Nufer schrieb dazu Drehbuch, zwei Mitglieder des Panikorchesters von Udo Lindenberg komponierten die Musik, eine große Gruppe von - meist semiprofessionellen, und von Laien -Schauspielern übernahmen die Rollen, ein Nachwuchschor der Erlöserkirchengemeinde sang und tanzte die Musicalpartien. Ein großer Erfolg, ständig ausverkauft, Tränen der Betroffenheit und des Schocks - man verstand zum ersten Mal, was „dort auf dem Balkan“ eigentlich geschehen war. Und verstand auch, welch eine verheerende Rolle eine fundamentalistisch  geglaubte Religion spielen konnte. 

Die große Überraschung: Die Einladung der bosnischen Regierung, das Stück in Sarajevo selbst zu spielen. Ein deutscher Sponsor ließ  Schauspieler in das kriegszerstörte Sarajevo fliegen, das gesamte Ton- und Bühnenequiment folgte in zwei Lastwagen über den Landweg.  Die Premiere sahen die Offiziellen, Diplomaten,  Nato-Soldaten, es gab Verständnis- und Übersetzungsprobleme. Die nächsten Vorstellungen waren jugendlicher besetzt – die vermutlich – Studentinnen und Studenten, manche ehemals Flüchtlinge in Deutschland, verstanden Deutsch und folgten bewegt und betroffen der Interpretation eines Geschehens, das sie oft selbst erlitten, was die Münsteraner nur gehört hatten. Und, unbemerkt, waren die Eltern der erschossenen Admira unter den Zuhörern. Einige besuchten sie später in ihrem Haus und berichteten, wie sehr sie unser Stück berührt habe, welche Trauer sie immer noch gefangen hält und welcher Hass. Die Darstellerin der Admira trug, von der Regie unbemerkt, ein Kreuz um den Hals. Ihre wirkliche Mutter aus Sarajevo rief: „Ja, sie trug  ein Kreuz, obwohl sie doch Muslimin war. Aber Bosko hatte es ihr geschenkt!“

Kann man nach solch einer Geschichte nach Münster zurückkehren, als wäre nichts geschehen? Zumindest können wir, meinte der damalige Jugendpfarrer  Christoph Schmidt-Ehmcke, die materielle Not ein wenig zu mindern helfen. Dieter Schönfelder, der Jugendreferent und sein Kollege im Jugendpfarramt, Andreas Czarske, nahmen die Idee auf und setzten sie um. Herr Schönfelder spannte Oberstleutnant Ludo Hupperts, Presseoffizier der UN-Truppen in Sarajevo  während des Bosnienkrieges, in das Projekt ein und stellte es auf ordentliche Füße: „Sarajevo love“ wurde ein Hilfsprojekt für die Ärmsten der Armen in der so schönen Stadt.
Das Ergebnis: Ab 1999 hat „Sarajevo love“  über eine Kontaktperson in der bosnischen Hauptstadt, Frau Muamara Selimovic, über 50.000 € verteilt! Das alles nur über die monatliche Spende von etwas mehr als zehn aus der Theatergruppe, der Jugendreferenten, einiger Großspender und der herzlichen Sammlungen, wenn Pfarrer Schmidt-Ehmcke  bei Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen gefragt wurde, womit man denn etwas Gutes tun könne – mit Geld für Sarajevo love. Denn: Man kann Sarajevo lieben und man kann in Sarajevo lieben. Trotz allem!

Text: Christoph Schmidt-Ehmcke

 Münster, 5. Mai 2010
 Internationaler Besuch im Jugendreferat 
des Ev. Kirchenkreises Münster

Als vor zehn Jahren das Musical Sarajevo Love, produziert vom Jugendreferat des Ev. Kirchenkreises in Münster und anschließend auch in Sarajevo aufgeführt wurde, ahnte keiner der Mitwirkenden, dass aus dem Besuch in Sarajevo eine langjährige Unterstützung für Menschen in Not entstehen würde. Hilfe für Menschen in der vom Krieg zerstörten Stadt wollten die Münsteraner organisieren und gründeten den „Hilfsfonds Sarajevo Love“. Inzwischen würden über 50.000 Euro gesammelt und direkt nach Sarajevo weitergeleitet.
Auf Einladung des Superintendenten des Ev. Kirchenkreises Münster besucht die ehrenamtliche Repräsentantin des Hilfsfonds, Frau Muamera Selimovic aus Sarajevo, jetzt das Jugendreferat. Sie wird begleitet von den Koordinatoren der Hilfe Jeanine und Ludo Hupperts.


Foto 3595: Christoph Schmidt-Ehmcke, Muamera Selimovic, Ludo und Jeanine Hupperts

Superintendent Dr. Dieter Beese betonte in seinem Grußwort beim Treffen der Spendergruppe die Bedeutung der Nachhaltigkeit der Hilfe. Aus einem Leuchtturm- projekt der evangelischen Jugendarbeit im Kirchenkreis Münster sei eine Brücke gebaut worden für die Menschen, die immer noch an der Existenzgrenze in Sarajevo Leben müssen.


Foto 3588: Muamera Selimovic, Isabel Waltering, Ludo Hupperts

Frau Selimovic dankte für die dauerhafte Unterstützung, die nicht nur materielle Hilfe, sondern auch Hoffnung für Menschen in Sarajevo bedeutet. Die Spendergruppe sagte zu, ihre Hilfe weiter auszubauen. 


Foto 3584: Muamera Selimovic, Dieter Schönfelder, Dr. Dieter Beese

Text: Dieter Schönfelder

Auskunft erteilt:
Dieter Schönfelder Geschäftsführer Jugendreferat
An der Apostelkirche 1-3    48143 Münster
Ruf (0251) 5102854           Fax (0251) 5102814
e-mail: dschoenfelder@kk-ekvw.de
www.kirchenkreis-muenster.de
www.jugendreferat-muenster.de
 

Aktuelle Fotos gemacht von unserer ehrenamtlichen 
Mitarbeiterin Muamera Selimovic 
aus Sarajevo vom Winter 2010


Familie Prguda


Elvira Dedic


 

Die CD zum Musical ist erhältlich unter: stephan@jovel.de
Fotogalerie vom Musical mit den Aufführungen im Jovel aus dem Jahren 1998 und 1999: folgt
 Fotogalerie vom Musical mit den Aufführungen in Sarajevo von 1999: folgt
Hilfe für Sarajevo WN 04.05.10
"Weil wir helfen, haben Menschen Hoffnung"
Münsteraner unterstützen Bedürftige in Sarajevo
WN 27.05.08 von Klaus Baumeister - hier klicken 

Die Hilfe dauert an
Das Musical  "Sarajevo Love"  wirkt weiter-direkt vor Ort
MZ 27.05.08 von sb - hier klicken

 Hoffnung für Zukunft und Menschenwürde
Aus Musical anlässlich 
der 350-Jahr-Feiern zum Westfälischen Frieden 
wurde nachhaltige Hilfe
Unsere Kirche 08.06.08 von Heike Hänscheid  - hier klicken
 
 
Religiöse Orientierung
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